Vorweg: In unserer Ausbildung betrachten wir Stress als eine lebensbedrohliche Situation, hervorgerufen durch einen Aggressor oder schweren Unfall der unser Leben oder das eines Geliebten bedroht. Wir sprechen also nicht von Alltagsstress, wie er uns im Berufsverkehr, durch den ungeliebten Vorgesetzten oder der misslungenen Aufgabe widerfährt.
Außerdem beleuchten wir diesen Beitrag ohne Berücksichtigung der rechtlichen Grundlagen zur Notwehr oder Nothilfe und dem Waffengebrauchsrecht.

Wir betrachten die Situation lediglich aus der Perspektive, wenn uns plötzlich der böse Wolf, oder in der Steinzeit der Säbelzahntiger begegnet und wir um unser Leib und Leben bangen müssen.
Das ist die Situation von der wir den Begriff “Verteidigungsschießen” ableiten und beschreiben hier die physischen und psychischen Auswirkungen auf den Körper.

Grundsätzlich hat sich die Wissenschaft mit diesem Thema bereits umfangreich beschäftigt, allen Voran der US-amerikanische Physiologe Walter Cannon, der die “Fight or Flight Reaction” – Kampf oder Flucht Reaktion – im Rahmen von Forschungsarbeiten mit Soldaten aus dem 1. Weltkrieg geprägt hat.

Ein derartiger Stressreiz, wie er in dieser lebensbedrohlichen Situation ausgelöst wird, verursacht erhebliche physiologische und psychologische Reaktionen. Durch die Ausschüttung von Adrenalin und anderen körpereigenen Stoffen begibt sich der Körper in einen Modus der Flucht oder des Kampfes, je nach Anpassung der Art und Person. Unsere Herz- und Atemfrequenz steigt rapide an und versorgt hauptsächlich grobmotorische Muskelpartien, wir sehen schärfer und unser Aufmerksamkeitsniveau steigt an. Unsere Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit steigt und bereitet den Körper zur maximalen Leistungsfähigkeit für die Flucht oder den Kampf vor.
Gleichzeitig vermindern sich jedoch die körperliche Wahrnehmung, Tast- und Gehörsinn, sowie die Fähigkeit Konsequenzen aus jeder Entscheidung abzuleiten. Tunnelblick und Verlust der feinmotorischen Fähigkeiten behindern zusätzlich kontrollierte und gelassene Handlungen. Der Mensch reagiert lediglich instinktgesteuert.

Aus diesem Grund sind Handhabungssicherheit, Treffsicherheit und Handlungssicherheit die wichtigsten Kriterien für einen sicheren Umgang mit Feuerwaffen in einer lebensbedrohlichen Situation.
Diese sind wiederum nur durch ein systematisch aufgebautes und kontinuierliches Training erreichbar. Dies erfordert, dass alle sicheren und ungefährlichen Bewegungsabläufe intensiv verinnerlicht werden.
Denn in der realen Situation wird sich der Schütze auf die Beurteilung der Bedrohung konzentrieren und keine Zeit für eine bewusste Handhabung der Waffe vorfinden. Die Handhabung muss daher ein automatischer Prozess sein, der intuitiv abläuft.

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